Prominente aus Kultur, Wissenschaft und Politik fordern die Erhaltung.
In einem bundesweiten Appell haben rund 70 Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Politik dazu aufgerufen, den Club Voltaire in Frankfurt am Main zu retten. In dem Papier heißt es, der Club müsse als „Ort kultureller Vielfalt und kritischer Öffentlichkeit für die Stadtgesellschaft und das demokratische Gemeinwesen insgesamt erhalten bleiben.“
Der Institution im Haus Kleine Hochstraße 5 droht nach knapp 65 Jahren das Aus zum Ende des Jahres 2026, weil der Hausbesitzer den Mietvertrag nicht verlängern will. Der 1962 gegründete Club war zum Vorbild für zahlreiche ähnliche politische und kulturelle Treffpunkte in der Bundesrepublik geworden, doch nur er hat bis heute überlebt. Und das trotz zahlreicher Versuche der politischen Rechten, ihn zu zerschlagen. Der Ort im Frankfurter Stadtzentrum hat in der politischen Geschichte Nachkriegsdeutschlands eine wichtige Rolle gespielt. So war hier etwa 1968 der Frankfurter Weiberrat gegründet worden, eine der Keimzellen der deutschen Frauenbewegung.
Auch in der Revolte des Jahres 1968 überhaupt, aber auch für die Bewegungen gegen den Vietnamkrieg, gegen Atomkraft oder den Bau der Startbahn 18 West des Frankfurter Flughafens besaß der Club Bedeutung. Und er war und ist ein Ort der Kultur. Zahlreiche bekannte Schriftstellerinnen und Schriftsteller, Sängerinnen und Sänger traten hier auf.
Der Appell zur Erhaltung des Clubs Voltaire ist von dem Künstler Thomas Bayrle ebenso unterschrieben worden wie von der Fotografin Barbara Klemm, von dem Historiker Peter Brandt und dem Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar. Aus der Frankfurter Kulturszene gehören die Intendanten von Oper und Schauspiel, Bernd Loebe und Anselm Weber, zu den Unterzeichnern, aber auch der Schriftsteller Bodo Kirchhoff und der Karikaturist Pit Knorr. Prominente Gewerkschafter wie Hans-Jürgen Urban (IG Metall) und Stefan Körzell (DGB) sind mit dabei, ebenso die Politiker Daniel Cohn-Bendit und Rupert von Plottnitz.
Der Aufruf wurde in den Frankfurter Tageszeitungen veröffentlicht.
Text des Aufrufs zur Unterstützung des Club Voltaire
Dem Club Voltaire in Frankfurt, 1962 gegründet, Ort von Solidarität und politisch-kulturellen Debat-ten, Vorbild für ähnliche Initiativen in vielen anderen Städten, droht das Aus am angestammten Sitz in der Kleinen Hochstraße in Frankfurt: Die Eigentümer wollen das Haus verkaufen und den Mietvertrag nicht verlängern. Dagegen wendet sich die Initiative „Rettet den Club“, zu deren Unterstützung wir aufrufen: Der Club Voltaire als Ort kultureller Vielfalt und kritischer Öffentlichkeit für die Stadtgesell-schaft und das demokratische Gemeinwesen insgesamt muss erhalten bleiben!
UnterzeichnerInnen:
Elisabeth Abendroth, Ingrid Apel, Thomas Bayrle, Dr. Eduard Beaucamp, Winfried Becker, Prof. Dr. Bernd Belina, Susanna Böhme-Kuby, Prof. Dr. Heiner Boehncke, Prof. Dr. Peter Brandt, Dr. Karlheinz Braun, Prof. Dr. Georg Bussmann, Lena Sarah Carlebach, Daniel Cohn-Bendit, Gunter Deller, Prof. Dr. Helga Deppe, Prof. Dr. Hans-Ulrich Deppe, Prof. Reiner Diederich, Helga Dierichs, Prof. Dietrich-W. Dreysse, Holger Ehling, Michael Erhardt, Dr. Wilfried Fiebig, Claus-Jürgen Göpfert, Beate Gottschall, Harald Heck, Stephan Hebel, Jürgen Hinzer, Reinhard Hinzpeter, Ulrike Holler, Dieter Hooge, Philipp Jacks, Prof. Dr. Jochem Jourdan, Bettina Kaminski, Prof. Dr. Timothy Kautz, Bodo Kirchhoff, Alexander Klein, Barbara Klemm, Pit Knorr, Stefan Körzell, Prof. Dr. Dieter Kramer, Herbert Kramm-Abendroth, Prof. Dr. Wolfgang Kraushaar, Dr. André Leisewitz, Prof. Dr. Stephan Lessenich, Prof. Peter Lieser, Bernd Loebe, Hans Möller, Rupert von Plottnitz, Gregor Praml, Willy Praml, Rainer Pudenz, Michael Quast, Dr. Thomas Regehly, Michael Rudolph, Tobias Rüger, Lothar Ruske, Wolfram Schütte, Dr. Birgit Seemann, Prof. Dr. Franz Segbers, Dr. Wolfgang Spielvogel, Herbert Stelz, Eldad Stobezki, Herbert Storn, Prof. Dr. Hans Jürgen Urban, Ernst Volland, Dr. Thomas Wagner, Prof. Dr. Eva Walther, Anselm Weber, Michael Weber, Prof. Dr. Martin Wentz, Tom Winhold, Dr. Siegbert Wolf